24.2.05

Der Heimwerker

J. hat morgen den großen Uni-Tangokurs-Abschlussgala-Abend mit allem Pipapo inklusive Schleim im Haar und entsprechendem Dresscode. Allein was fehlt ist der anzuggemässe aber Berlinwinterfeste Mantel. Also heute abend Besuch bei O., einem italienischen Bekannten, der als Kellner in einem der ersten gastronomischen Etablissements der Stadt kellnert, um dessen Mantel für oben genannten Zwecke auszuleihen.
Neben der sehr kurzweiligen Unterhaltung darüber, was der Unterschied zwischen den 120 russischen Gästen, die im Rahmen der Berlinale in erwähntem Restaurant einen Abend verbrachten und dabei 20 Flaschen Wodka konsumierten ("Und das war nur Aperitif...") und Gästen wie Gerhard S. oder "Wie heißt der Mann mit die sährr weissä Haare...." ist, gab es auch eine eindrucksvolle Performance:
Auftritt Prosecco. Abwesenheit Korkenzieher. Kurzer Blick des Gastgebers durch den Raum, dann: "Ahhh, null problemo, mache ich wie neulich." Sprachs, griff zum im Wohnzimmer herumliegenden Bohrer, mit einem Bohraufsatz Stärke 12 bestückt (grob geschätzt), setzte ihn am Korken an und - ja richtig. bohrte einfach ein Loch durch den Prosecco-Korken. Bröselbröselschäum.
Was soll man sagen: So eine cremige Mousse hatte ich noch nie im Glas....

23.2.05

Influenza-Einflüsse

Meine heute aus der Südhälfte Deutschlands zurückgekehrte Kollegin erzählte, dass der gesamte Süden und Mitte des Landes Influenza-verseucht seien und sie im ICE zurück nach Berlin mehrmals den Sitzplatz gewechselt hat, bis sie nicht mehr das Gefühl hatte, permanent von todgeweihten dramatisch röchelnden und hustenden Mitreisenden mit Viren bombadiert zu werden.
Jetzt weiss ich auch, warum ich gestern so ein ungewohntes Schwächegefühl verspürte, das mich nachmittags einige Stunden schlafen und abends um 22 Uhr (!!!) ins Bett gehen ließ, um nach 10 Stunden Koma wieder aufzuwachen...Aber wir Preussen sind ja abgehärtet und lassen uns von so ein paar Bazillchen nicht umpusten.

Außerdem eröffnen sich durch die geographische Verbreitung der Grippe interessante Szenarien:
George W. Bush steckt sich an. Die amerikanischen Sicherheitskräfte haben an alles, aber auch wirklich alles gedacht, nur nicht an einen als Erkältung getarnten Bio-Angriff. Und was kann so ein texanisches Immunsystem schon gegen eine barbarische, europäische Influenza ausrichten?!?
Ganz Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gleich dazu werden aus Gründen gesundheitlicher Vorsorgemaßnahmen von der restlichen Republik abgespalten und zum Freistaat erklärt. Gesponsort wird die Aktion von Wick, Klosterfrau Melissengeist und Sanostol. Und wir sind Stoiber und Koch los.
Durch den gleichzeitigen Arbeitsausfall tausender Beschäftigter können kurzfristig diverse AlG II EmpfängerInnen in Arbeit vermittelt werden, die Arbeitslosenzahl sinkt im März auf 3,5 Millionen. Die Redaktion der Bild-Zeitung begeht geschlossen Selbstmord.

And now to something completely different, des persönlichen Februar-Rankings:
CD-Entdeckung des Monats: Jolie Holland. Alle beide.
Wein-Entdeckung des Monats: Riesling Kabinett 2003 vom Weingut Stein, Franken
Buch des Monats: Robert Capa, Slightly out of the focus

21.2.05

Impressionen einer Wochenendgestaltung

Wim Wenders ist ein etwas zauselig-zerstreut wirkenden netter Mann, der ein bisschen wie Woody Allen rüberkommt.
Spontan in einen Berlinale-Film zu gehen, ist möglich. Spontan am Samstag abend in die Komische Oper zu gehen ist NICHT möglich: Gut gekleidete Leute kreisen wie die Aasgeier vor der Abendkasse herum, um eine der wenigen freien Karten zu ergattern. Dreistigkeit und Vordrängeln gewinnt.
Selbst gebratene Sardellen schmecken fast, aber auch nur fast so gut wie gebratene Sardellen im Kroatien- oder Griechenlandurlaub.
Die 3 Kaiserbäder auf Usedom sind mit dem Zug von Berlin aus in 3,5 Stunden erreichbar.
Bestes Thai-Food für wenig Geld in Fußnähe: Pagode in der Bergmannstrasse.
Die in der Galerie Lafayette angebotenen Chapoutier-Weine sind nicht nur überteuert, sondern maßlos überteuert.
Dafür sind die Austern billig und frisch.

16.2.05

Frust

Geschäftsführer sind scheiße. Halbleiter sind scheiße. Franzosen sind scheiße. Handwerker die morgens um halb 8 kommen sind auch scheiße.

9.2.05

kalt

wenn dein briefkastenschloss vereist ist...und dein nachbar verreist ist...und wenn unter der wohnungstür dann ein spalt ist...dann weisst du, dass es kalt ist.

6.2.05

Party-Mutationen

Bisher konnte ich eigentlich immer sicher sein, dass ein gewisser Partystandard auf Privatfeiern vorherrscht: Es ist mehr oder weniger laut, es wird gute oder weniger gute Tanzmusik gespielt, mehr oder weniger viele Gäste tanzen oder machen sich über die Tanzenden lustig, man trinkt, raucht, hört Musik oder redet dummes Zeug. Das Übliche eben. Seit gestern weiss ich nun, dass diese Zeiten eventuell auch für mich bald vorbei sind. Mitgeschleppt auf einen Wohnungseinweihungsfeier, bei der ich nur den Gastgeber vage kannte durfte ich das volle "Parties von 30somethings"-Programm erleben. Die Tür öffnete die hochschwangere Gastgeberin. Schuhe ausziehen da Dielen frisch abgeschliffen ist klar und kein Thema. Wohnungsbesichtigung: Ja klar, aber nicht ins Schlafzimmer, da schläft das Baby von X. Erste Einklinkversuche in laufende Gespräche: Jonas hat jetzt ein eigenes Kinderzimmer. Martina ist endlich nicht mehr schlecht, wie in den ersten drei Monaten ihrer Schwangerschaft. Tim, Peter und Ralf sind alleine auf der Party: Jaja, sie bleibt heute zu Hause und passt auf den/die Kleine/n auf, kein Babysitter...Gllll...
Die Hälfte der Gäste - nämlich die MIT Babysitter gingen um spätestens 0 Uhr, weil Babysitter noch nach Hause muss. 2-3 gingen kurz darauf, mit schlafendem, gerade aufgewachten und deshalb wie am Spieß brüllenden, nörgelig da verpennten Nachwuchs auf dem Arm.
Als die dann weg waren, wurde das erste Mal (!!!!) an diesem Abend Musik angemacht! Ich glaube, es war ein Schostakowitsch-Streichquartett...

Tanzen wollte niemand: Die meisten hatten ihre Tanzschuhe vom Tangokurs zu Hause gelassen.

1.2.05

lifelong- and lifewide learning. Heute: Der Süden

Alles südlich von Köln ist Bayern. Dieser Ansicht war ich zumindest bis vor 5 Jahren, dann lernte ich Hessen kennen...Seitdem ist alles südlich von Frankfurt irgendwie Bayern. Und Bayern ist gleich zum Frühstück biertrinkende Stoiberisten, viel zu hohe Berge, Menschen die in fremden Zungen reden, einseitige Ernährung (Bier, Brezel, Leberkäs, Knödel) und München. Außerdem kann man dort als aufgeklärt-säkular-ästethisch interessierter Mensch eigentlich nicht wohnen...
Völlig falsch, wie ich an diesem Wochenende feststellen durfte.
Es gibt nämlich noch Franken. Das ist zwar eigentlich Bayern, aber uneigentlich kriegt man ne Menge Ärger, die Tür vor der Nase zugeknallt o.ä. wenn man das dort sagt. Verständlich, denn Franken ist gar nicht so wie das oben beschriebene Bayernszenario. Stattdessen ans Auenland erinnernde Landschaft und idyllisch-pittoreske Dörfer, die es irgendwie schaffen, dass man nicht dieses "Hilfe, ich ersticke"-Gefühl bekommt, sondern eher "Oh, schön. Und so ruhig. Und irgendwie sehr freundlich und einladend"...Das Beste sind natürlich die regionalen Spezialitäten, die zwecks sofortiger Assoziierung Franken = gut und nicht Bayern keinerlei Ähnlichkeit mit Bierkrügen, Brezeltüten etc. haben, sondern in lustig-bauchigen grünen Püllerken abgefüllt werden: Die Weine dort. Spätestens beim Besuch der 2.Vinothek war dann auch klar, dass sämtliche Kinder Frankens anscheinend schon in der Grundschule Unterricht in Grafik/Design, Architektur und Ästethik erhalten.
Hm, über all dies muss ich noch ein wenig nachdenken, am besten begleitet von einem dieser erfrischenden Bocksbeutelweine...